Untitled

(2020)

Installation (Ton, Metall, Scheidetrichter, Salzwasserlösung)

Textauszug aus Tropfen für Tropfen. Zur temporären Plastik von Pearlie Frisch in der Publikation anlässlich der Ausstellung Unmittelbare Ferne von Silvia Henke




Die Scheidetrichter, die verspielt über den Schalen schweben, unterziehen die Schalen, die hier ungebrannt bzw. unglasiert sind, während der Dauer der Ausstellung langsam einem Experiment. Sie suggerieren eine Laborsituation und es ist für die Betrachterin und den Betrachter ein wenig wie ein Zeitsprung vom sakralen in den «wissenschaftlichen» Raum der Kunst. Geht es um die Schwere des Wassers, das hier so langsam und behutsam Tropfen für Tropfen aus dem Trichter fällt? Wird das Wasser den ungebrannten Ton mit der Zeit auflösen? Und wie wird sich das Salzwasser in der unglasierten Schale ablagern? Beide Schalen sind diesem Materialexperiment ausgesetzt durch die unsichtbare Hand der Künstlerin, die auch hier sanft von der Betrachtung in die Reflexion führt. Worüber macht sie uns nachdenklich? Über den Erosionsprozess, den Zusammenhang von Wasser, Salz und Erde? Auch.
Im Wesentlichen aber können Betrachtende hier nachdenklich werden über etwas, was meistens nur als unangenehm empfunden wird: über Zeit. Entweder ist die Zeit nämlich zu lang oder zu kurz, zu wenig, zu schnell. Selten wird die Zeit selber als richtig und gut empfunden. Indem das Vergehen der Zeit in Tropfen und Kristallen sichtbar wird, macht Pearlie Frisch mit ihren Schalen die Temporalität der Skulptur also ganz konkret und physisch erlebbar. Als Langsamkeit. Tropfen für Tropfen.


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